Hamburg Update

Hamburg erforscht „Urban Mining“ als neue Bauform

today26. Oktober 2026

Hintergrund

RADIO REEPERBAHN Hamburg berichtet heute über eine zukunftsweisende Initiative in der Hansestadt: Hamburg erforscht aktiv das innovative Konzept des „Urban Mining“ als neue Bauform. Dieses wegweisende Projekt begreift die Stadt nicht mehr nur als Ort des Lebens und Arbeitens, sondern als eine reiche Rohstoffquelle. Ziel ist es, möglichst viele Teile aus Abrisshäusern wiederzuverwerten und neu zu verbauen, um einen nachhaltigeren Umgang mit den begrenzten Ressourcen zu etablieren. Wissenschaftlerin Martha Starke gehört zu den führenden Köpfen, die diese nachhaltige Bauform intensiv untersuchen.

Das Konzept des Urban Mining gewinnt angesichts der globalen Ressourcenknappheit und der enormen Mengen an Bauschutt stetig an Bedeutung. Deutschland, ein rohstoffarmes Land, importiert jährlich große Mengen an Gütern. Gleichzeitig entsteht in der Bundesrepublik etwa die Hälfte des gesamten Abfallaufkommens durch Bau- und Abbruchabfälle. Allein in Hamburg fallen jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen Bauabfall an. Urban Mining versteht sich als eine strategische Säule für eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft und trägt maßgeblich zum Klima- und Umweltschutz bei, indem es den Fokus von einer linearen „Nehmen-Produzieren-Entsorgen“-Wirtschaft auf ein zirkuläres Modell verlagert.

Die praktische Umsetzung von Urban Mining erfordert ein Umdenken bereits in der Planungsphase von Gebäuden, wo der spätere Rückbau und die Wiederverwendung von Materialien berücksichtigt werden müssen. Ein zentrales Instrument hierfür sind digitale Materialpässe, die detaillierte Informationen über Menge, Qualität und Größe der verbauten Baustoffe liefern. Eine große Herausforderung besteht jedoch in der Erfassung und sortenreinen Trennung von Materialien in bestehenden, oft Jahrzehnte alten Gebäuden, sowie in der Entwicklung neuer Technologien für Verbundmaterialien. Um verwertbare Materialien vor dem eigentlichen Abriss zu identifizieren, wird ein sogenanntes „Pre-Demolition Audit“ durchgeführt. Der Erfolg dieser Transformation hängt zudem stark von der Vernetzung aller beteiligten Akteure ab – von der Politik über die Wirtschaft und Wissenschaft bis hin zu den Verbrauchern.

Hamburg nimmt eine Vorreiterrolle ein und erprobt die Kreislaufwirtschaft im Bauen in verschiedenen Projekten. So wurde im Wilhelmsburger Rathausviertel ein Werkstattverfahren für zwei neue Stadtbausteine mit Wohnungen, Gewerbe und Kitas entschieden, welches sich den Themen Re-Use, Re-Cycle und Urban Mining widmet. Dieses Projekt ist Teil des EU-Forschungsprojekts „CIRCuIT“, an dem das Immobilienunternehmen Otto Wulff in Kooperation mit der Freien und Hansestadt Hamburg beteiligt ist. Im Rahmen dieser Forschung entwickelte Otto Wulff eine neue Rezeptur für Recycling-Beton, die sogenannte „Hamburger Mische“, die im Februar 2024 erstmals in einem Hamburger Schulbauprojekt zum Einsatz kam. Ein weiteres Beispiel ist das „Moringa“-Projekt in der HafenCity, das nach dem „Cradle-to-Cradle“-Prinzip realisiert wird und eine Recyclingfähigkeit von 80 Prozent der Baumaterialien anstrebt. Auch lokale Initiativen wie Schrott Bewahre e.V. und EPEA tragen durch die Bergung und Vermarktung von Bauteilen wie Heizkörpern, Türen und Leuchten aus Abbruchprojekten in der Hamburger Innenstadt zur Materialwiederverwendung bei.

Das Engagement Hamburgs im Bereich Urban Mining ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer klimaneutralen und ressourcenschonenden Zukunft. Indem wir unsere Städte als riesige Materiallager begreifen und die verbauten Rohstoffe systematisch wieder in den Kreislauf zurückführen, können wir nicht nur die Umwelt entlasten und den Flächenverbrauch eindämmen, sondern auch die Flexibilität unserer Gebäude erhöhen und die Versorgungssicherheit mit heimischen Rohstoffen verbessern. RADIO REEPERBAHN wird die weiteren Entwicklungen dieses spannenden und zukunftsweisenden Ansatzes in Hamburg aufmerksam verfolgen und unsere Hörerinnen und Hörer weiterhin umfassend informieren.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

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