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Die Eisenbahngewerkschaft EVG droht mit Streiks und Dienstplanblockaden im Regionalverkehr, da die Bundesregierung nach ihren Angaben zu zögerlich bei der Umsetzung von Sicherheitsmaßnahmen reagiert. Hintergrund ist der tödliche Angriff auf einen Zugbegleiter Anfang des Jahres, für den die EVG nun schnell konkrete Ergebnisse fordert. Die Gewerkschaft erhöht den Druck auf die Politik, ein versprochenes Gesetz zur Strafverschärfung bei Angriffen auf Bahnpersonal noch in diesem Jahr zu verabschieden.
Der Auslöser für die aktuellen Drohungen war ein tragischer Vorfall am 2. Februar 2026 in Rheinland-Pfalz, bei dem der 36-jährige Zugbegleiter Serkan C. (auch Serkan Çalar genannt) in einem Regionalexpress bei Landstuhl tödlich verletzt wurde. Er wurde von einem 26-jährigen griechischen Fahrgast, der keinen gültigen Fahrschein besaß, während einer Ticketkontrolle angegriffen. Der Zugbegleiter starb einen Tag später im Krankenhaus an den Folgen einer Hirnblutung, die durch stumpfe Gewalt gegen den Kopf verursacht wurde. Der Täter wurde später wegen Körperverletzung mit Todesfolge zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.
Die EVG fordert seitdem eine konsequente Verbesserung der Sicherheit für das Zugpersonal. Zu den Kernforderungen gehören eine verpflichtende Doppelbesetzung von Nahverkehrszügen, Bodycams mit Tonaufzeichnungsfunktion für Zugbegleiter und Notrufknöpfe an den Armbanduhren der Mitarbeiter. Zudem wird eine stärkere Präsenz der Bundespolizei an Bahnhöfen und in Fernverkehrszügen gefordert. EVG-Chef Martin Burkert zeigte sich enttäuscht über die ausbleibenden Maßnahmen der Politik und kritisierte die Bundesregierung für „Arbeitsverweigerung“ und „Politik-Stillstand“, während die Eisenbahner mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben bezahlten. Laut Deutscher Bahn gab es 2025 über 3.000 Angriffe auf Bahnpersonal, das entspricht etwa acht Vorfällen pro Tag, wobei die Hälfte davon im Regionalverkehr stattfand. Im ersten Halbjahr 2026 registrierte allein DB Regio 989 Übergriffe auf Mitarbeitende in Regionalzügen.
Als Reaktion auf den tödlichen Angriff und die wachsende Zahl von Übergriffen fand im Februar 2026 ein Sicherheitsgipfel zwischen der Deutschen Bahn und der Bundesregierung statt. Dabei wurde unter anderem die Bereitstellung von Bodycams für das Personal zugesagt, die nun auch schrittweise im Bahnhofsservice und in der Stationsbetreuung eingesetzt werden sollen – insgesamt erhalten 2.700 Beschäftigte die Möglichkeit, diese Geräte freiwillig zu tragen. Ab dem 1. Oktober 2026 startet in der Region Rhein-Neckar-Pfalz zudem ein zweimonatiges Pilotprojekt zur Tonaufzeichnung mittels Bodycams. Seit dem 1. März 2026 gilt bei DB Regio zudem das Prinzip „Eigensicherung vor Prüfung“ bei der Ticketkontrolle. Darüber hinaus plant die Deutsche Bahn ab Herbst 2026 ein Alkoholverbot an rund 5.400 Bahnhöfen.
Die EVG macht jedoch ihre Streikdrohung von der Umsetzung einer Gesetzesänderung abhängig. Wenn der entsprechende Gesetzentwurf zur Aufnahme von Bahnmitarbeitern als besonders gefährdete Berufsgruppe in das Strafgesetzbuch, der eine Verdopplung des Mindeststrafmaßes von drei auf sechs Monate Freiheitsstrafe vorsieht, nicht bis Jahresende in den Bundestag eingebracht und verabschiedet wird, wollen die EVG-Betriebsräte den Dienstplänen für Januar 2027 bei DB Regio und privaten Regionalbahnen nicht zustimmen. Dies hätte zur Folge, dass das Personal im Regionalverkehr bundesweit seine Schichten nicht antreten könnte, was zu einem Stillstand des Betriebs und weitreichenden Auswirkungen für Millionen Pendler führen würde. Das Bundesverkehrsministerium erklärte, dass eine gesetzliche Regelung in regierungsinterner Abstimmung sei und noch in diesem Jahr durch den Bundestag gebracht werden solle. Die Gewerkschaft betont, dass es sich hierbei um einen „Sicherheitsstreik“ handelt, der den Schutz der Beschäftigten und nicht Lohnforderungen in den Mittelpunkt stellt.
Symbolbild – Foto: Wolfgang Sitter / Pexels
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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