Hamburg Update

Kostenexplosion bei neuer Müllverwertungsanlage sorgt für Wirbel

today19. August 2026 3

Hintergrund
share close

Die Kosten für die neue Müllverwertungsanlage in Hamburg-Bahrenfeld sind von ursprünglich 230 Millionen Euro auf bis zu 780 Millionen Euro explodiert, was zu erheblichen politischen Turbulenzen führt. Diese immense Kostensteigerung war der Anlass für eine Sondersitzung des Umweltausschusses der Bürgerschaft, in der die fehlende Transparenz und die drastische Erhöhung thematisiert wurden.

Das Großprojekt, bekannt als „Zentrum für Ressourcen und Energie“ (ZRE), entsteht an der Schnackenburgallee im Stadtteil Bahrenfeld, nahe dem Altonaer Volkspark. Es sollte ursprünglich die Abfallwirtschaft der Hansestadt revolutionieren, indem es Rest- und Gewerbemüll sortiert, Wertstoffe für das Recycling gewinnt sowie Strom und Wärme liefert. Als wichtiger Baustein für Hamburgs Wärmewende sollte die Anlage eigentlich bereits 2025 fertiggestellt werden. Aktuellen Prognosen zufolge verzögert sich die Inbetriebnahme jedoch um Jahre und wird nun frühestens 2026/2027, möglicherweise sogar erst 2029/2030 erwartet.

Die Gründe für die massive Kostenexplosion und die erheblichen Bauverzögerungen werden in Mängeln der Projektplanung und -überwachung sowie im Risikomanagement verortet. Ein von der neuen Geschäftsführung der Stadtreinigung Anfang 2026 in Auftrag gegebenes externes Audit deckte auf, dass der Aufsichtsrat der Stadtreinigung Hamburg (SRH) über die voraussichtlichen Kostensteigerungen und zeitlichen Verzögerungen nicht angemessen und zeitnah informiert wurde. Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne), die den Aufsichtsrat leitet, sprach in diesem Zusammenhang von einem „klaren Vertrauensbruch“, da dem Gremium „essenzielle Informationen schlicht vorenthalten“ worden seien.

Als Reaktion auf die bekannt gewordenen Missstände hat der Aufsichtsrat der Stadtreinigung beschlossen, mögliche rechtliche Schritte gegen das damals verantwortliche Management prüfen zu lassen. Im Fokus der Kritik steht dabei auch der langjährige SRH-Geschäftsführer Rüdiger Siechau, der Ende letzten Jahres in den Ruhestand ging und mittlerweile Hausverbot auf dem Gelände der Stadtreinigung und des ZRE erhalten hat. Die Mehrkosten dieses Großprojekts werden letztlich von den Hamburger Bürgerinnen und Bürgern getragen, sei es durch höhere Müllgebühren, steigende Energiepreise oder Belastungen für den städtischen Haushalt. Bereits Anfang 2026 wurden die Gebühren für die Hausmüllentsorgung um 3,4 Prozent angehoben.

Der Umweltausschuss der Bürgerschaft befasste sich am 18. August 2026 in einer weiteren Sondersitzung mit dem Bau der Anlage. Diese Sitzung fand nach Erwartung des Ausschussvorsitzenden Stephan Jersch (Linke) unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit Verpflichtung zur Verschwiegenheit der Teilnehmer statt, worüber CDU-Abgeordnete, die die Sitzung beantragt hatten, ihr Missfallen äußerten. Umweltsenatorin Fegebank kündigte an, nicht nur rechtliche Schritte zu prüfen, sondern auch die Besetzung städtischer Aufsichtsräte grundlegend zu überdenken. Die Umweltbehörde hat zugesagt, künftig proaktiv Informationen an die Bürgerschaft weiterzuleiten, um solche Fehler in Zukunft zu vermeiden.

Symbolbild – Foto: Andre / Pexels

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet