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Kritik: Tausende Notplätze für Obdachlose fehlen in Hamburg

today28. Juli 2026

Hintergrund
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Hamburg steht weiterhin vor erheblichen Herausforderungen in der Sozialpolitik, insbesondere im Bereich der Obdachlosenhilfe. Die Linke-Abgeordnete Olga Fritzsche hat erneut scharfe Kritik geäußert und bemängelt, dass in der Hansestadt Tausende Notplätze für obdachlose Menschen fehlen. Aktuellen Angaben vom Juli 2026 zufolge warten 2.196 wohnungslose Menschen auf einen Platz in einer öffentlich-rechtlichen Unterkunft, zuzüglich weiterer 1.112 sogenannter Überresidente in Erstaufnahmeeinrichtungen, die ebenfalls auf eine feste Unterbringung hoffen. Fritzsche betont, dass selbst die Notunterkünfte für obdachlose Menschen sowie spezialisierte Angebote für junge Obdachlose nahezu vollständig ausgelastet sind und eine Unterkunft weit mehr als nur ein Dach über dem Kopf darstellt; sie sei die Voraussetzung für Stabilität und den Weg zurück in ein eigenständiges Leben.

Die Gesamtzahl der obdachlosen Menschen in Hamburg ist alarmierend und nimmt dramatisch zu. Laut einem Wohnungslosenbericht des Bundes vom Juli 2024 leben in Hamburg fast 3.800 Menschen auf der Straße – eine beinahe Verdopplung seit 2018. Berücksichtigt man alle wohnungslosen Personen, die in Unterkünften leben, weil sie keine Wohnung finden, waren es im Januar 2025 sogar 32.410 Menschen. Hamburg ist demnach bundesweit Spitzenreiter bei der Wohnungslosigkeit im Verhältnis zur Einwohnerzahl, und die Verweildauer in den öffentlich-rechtlichen Unterkünften ist hier so lang wie nirgendwo sonst in Deutschland.

Um der Kälte in den Wintermonaten zu trotzen, bietet Hamburg zwar ein Winternotprogramm an, das jährlich vom 1. November bis Ende März läuft. In der Saison 2025/2026 standen rund 700 Schlafplätze in städtischen Einrichtungen sowie zusätzliche 100 Plätze in beheizten Containern zur Verfügung, inklusive warmer Mahlzeiten und Frühstück. Dennoch zeigen tragische Zahlen die Grenzen dieser Hilfen auf: Im Winter 2023/2024 starben 24 obdachlose Menschen in Hamburg. Auch im frühen Jahr 2026 waren bereits 15 obdachlose Menschen in Hamburg verstorben, mit einem erschütternden Durchschnittsalter von nur 46 Jahren. Kritisiert wird unter anderem, dass die Notunterkünfte tagsüber oft geschlossen sind.

Die Ursachen für Obdachlosigkeit sind vielfältig und reichen von Armut und Arbeitslosigkeit über psychische Erkrankungen bis hin zu Suchtproblemen. Auffällig ist der hohe Anteil nicht-deutscher obdachloser Menschen: Etwa zwei Drittel (rund 2.400 Personen) stammen aus anderen EU-Staaten, hauptsächlich aus Polen, Bulgarien und Rumänien. Viele von ihnen haben keinen direkten Anspruch auf Sozialleistungen in Deutschland. Es gibt jedoch auch eine erhebliche Anzahl dieser Menschen, die sehr wohl einen Rechtsanspruch auf öffentlich-rechtliche Unterbringung oder sozialrechtliche Ansprüche haben. Generell haben obdachlose Menschen einen gesetzlichen Anspruch auf eine Notunterkunft.

Hamburg hat sich, wie auch die Bundesregierung und die EU, dem Ziel verschrieben, Obdach- und Wohnungslosigkeit bis 2030 zu überwinden. Als Lösungsansätze werden unter anderem die Ausweitung von Wohnmöglichkeiten, die Stärkung von „Housing First“-Projekten und die intensivere Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen verfolgt. Jedoch sieht sich die Stadt einem angespannten Wohnungsmarkt und einem kontinuierlichen Zuzug von Geflüchteten gegenüber. Eine weitere Sorge bereitet die Neukonzeptionierung der Straßensozialarbeit, die Anfang 2026 zu einem Rückgang von fast vier Straßensozialarbeiterinnen und -arbeitern führte, was die Linksfraktion als unverantwortlich angesichts der prekären Situation bewertet. Die Notwendigkeit, ausreichend Unterbringungsplätze zu schaffen und die Vermittlung in dauerhaften Wohnraum massiv auszubauen, bleibt eine drängende Aufgabe.

Symbolbild – Foto: Vitaly Gariev / Pexels

Geschrieben von: Redaktion

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