Hamburg Update

Kritik an Schulplänen der Hamburger Schulbehörde

today13. Juli 2026 4

Hintergrund
share close

RADIO REEPERBAHN Hamburg – Die Pläne der Hamburger Schulbehörde, gebundene Ganztagsschulen künftig mit weniger Lehrern auskommen zu lassen und stattdessen stärker auf Erzieher zu setzen, stoßen auf breiten Widerstand in der Hansestadt. Diese Neuausrichtung wird von verschiedenen Seiten kritisiert und weckt Sorgen um die Qualität der Bildung.

Insbesondere der Ganztagsschulverband äußert scharfe Kritik an den Vorhaben der Schulbehörde. Der Verband sieht in der finanziellen Angleichung der selbstverantworteten Ganztagsschulen (GTS) an die Ganztägige Bildung und Betreuung (GBS) eine Sparmaßnahme zulasten der GTS-Grundschulen. Statt wie bisher Lehrerzuweisungen zu erhalten, sollen diese Schulen künftig massiv weniger zugewiesene Lehrerstellen erhalten und stattdessen mit tariflich günstigeren Erzieherpositionen besetzt werden. Dies wird als eine deutliche Verschlechterung der Qualität der Ganztagsbeschulung gewertet. Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Hamburg hatte bereits Ende Juni 2026 kritisiert, dass die Arbeitszeit von verbeamteten Lehrkräften auf 41 Stunden pro Woche angehoben werden soll, während gleichzeitig der Lehrkräftemangel spürbar sei und die Belastungen durch Ganztag und Inklusion zunehmen würden.

Eng verbunden mit der Diskussion um die personelle Ausstattung ist die Kritik an neuen Regeln bei der Schulbegleitung. Eltern, Verbände und Gewerkschaften warnen vor negativen Folgen für die Inklusion an Hamburger Schulen. Der Ganztagsschulverband betont, dass guter Ganztag nicht ohne gute Inklusion funktionieren kann und schließt sich den Forderungen von GEW Hamburg, PARITÄTISCHEM Hamburg, DIE LINKE Fraktion Hamburg sowie der Elternkammer Hamburg an, bedarfsgerechte und qualitativ hochwertige Unterstützungsangebote dauerhaft sicherzustellen. Die Schulbehörde verweist ihrerseits auf steigende Fallzahlen und Kosten bei der Schulbegleitung.

Die Debatte findet vor dem Hintergrund statt, dass Hamburg im Februar 2026 in einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) als „Musterland“ im Bereich der Ganztagsbetreuung an Schulen bezeichnet wurde, da die bestehenden Kapazitäten als ausreichend gelten. Allerdings konzentriert sich die aktuelle Kritik nicht auf die bloße Verfügbarkeit von Plätzen, sondern auf die personelle Besetzung und die Qualität der pädagogischen Arbeit.

Die Elternkammer Hamburg äußerte zudem im Juni 2026 ihr Unverständnis darüber, dass Elternbefragungen bei der Schulinspektion wegfallen sollen, da dies die Perspektive der Eltern bei der Bewertung der Schulqualität außen vor lasse. Die zunehmende Belastung des pädagogischen und therapeutischen Fachpersonals (PTF), das laut einem Bericht der GEW Hamburg aus dem Jahr 2022 oft zur Kompensation von Lehrermangel herangezogen wird, beeinträchtigt deren eigentliche fachliche Arbeit und die Umsetzung einer inklusiven Beschulung. All diese Aspekte zeichnen ein Bild wachsender Besorgnis um die zukünftige Ausgestaltung der gebundenen Ganztagsschulen in Hamburg.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet