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Großes Interesse an NS-Akten in Hamburg

today28. Juli 2026 1

Hintergrund
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Großes Interesse an NS-Akten in Hamburg – die Aufarbeitung familiärer NS-Vergangenheiten gewinnt in Norddeutschland zunehmend an Bedeutung. Jüngstes Beispiel ist die Hamburgerin Paula Mittrowann, die bei ihrer Recherche ihre Großeltern in der NSDAP-Kartei entdeckte. Ihr Fund spiegelt ein wachsendes Bedürfnis wider, Licht in die oft schmerzhafte Geschichte der eigenen Familie während des Nationalsozialismus zu bringen.

Dieses verstärkte Interesse, die eigene Familiengeschichte in der NS-Zeit zu erforschen, wird von verschiedenen Seiten beobachtet. Immer mehr Menschen möchten wissen, ob Angehörige an Verbrechen der Nationalsozialisten beteiligt waren und versuchen, die „schwarzen Löcher“ der deutschen Erinnerungskultur zu füllen. Historiker und Sozialpsychologen haben seit Langem die Tendenz der Nachkriegsgenerationen beschrieben, die Hilfsbereitschaft und den Widerstandsgeist ihrer Vorfahren zu überschätzen, während deren Mitwirkung an der nationalsozialistischen Politik oft unterschlagen wird – ein Phänomen, das auch als „Opa war kein Nazi“-Mythos bekannt ist. Institutionen wie die KZ-Gedenkstätte Neuengamme verzeichnen eine hohe Nachfrage nach Recherche- und Gesprächsseminaren, die sich mit den Nachwirkungen von NS-Täterschaften auseinandersetzen und die oft belastenden Erkenntnisse der Forschung begleiten. Aktuelle Publikationen, wie der Sammelband „Present Past“, ermutigen Nachfahren zusätzlich, sich den eigenen familiären Geschichten zu stellen.

Für die Recherche stehen verschiedene Archive und Datenbanken zur Verfügung. Entnazifizierungsakten, wie sie auch Paula Mittrowann fand, werden in der Regel in den jeweiligen Landesarchiven des damaligen Wohnorts der betroffenen Personen zwischen 1945 und 1951 aufbewahrt. Das Staatsarchiv Hamburg hält solche Aktenbestände bereit und bietet zudem eine digitale Einsehbarkeit von verfilmten Karteikarten an. Die vollständige, digitalisierte NSDAP-Mitgliederkartei, umfassend über 12,7 Millionen Datensätze der „Zentralkartei“ und „Gaukartei“, wird vom Bundesarchiv verwaltet. Dort können Recherchen zu einzelnen Personen auf Antrag durchgeführt werden. Ergänzend dazu bieten die Arolsen Archives, als internationales Zentrum über NS-Verfolgung, kostenlose Recherche für Überlebende und Angehörige von NS-Opfern an. Für Hamburg existiert zudem die Online-Datenbank „NS-Dabeigewesene“, die Kurzprofile von NS-Tätern, Profiteuren, Denunzianten, Mitläufern und Zuschauern in der Stadt sammelt und ebenfalls auf Entnazifizierungsakten des Staatsarchivs Hamburg basiert.

Die Recherche kann emotional tief bewegend sein, stellt jedoch keine unüberwindbare Hürde dar. Allerdings gibt es auch Herausforderungen: So wurde erst kürzlich bekannt, dass das Hamburger Staatsarchiv umfangreiche Aktenbestände, die unter anderem für die Forschung zur NS-Geschichte und zur Familiengeschichte relevant sind, ins Niedersächsische Staatsarchiv nach Stade verlagert hat. Dies könnte für Hamburger Forschende längere Anfahrtswege und höhere Kosten bedeuten und die Nutzerfreundlichkeit beeinträchtigen. Trotz solcher logistischen Hindernisse bleibt der gesellschaftliche und persönliche Nutzen der Aufarbeitung immens.

Die individuelle Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit der eigenen Familie trägt maßgeblich zu einer bewussteren Erinnerungskultur bei. Indem „schwarze Löcher“ gefüllt und ungemütliche Wahrheiten ans Licht gebracht werden, können nachfolgende Generationen nicht nur ein tieferes Verständnis für ihre eigene Identität entwickeln, sondern auch die gesamtgesellschaftliche Verankerung von Respekt, Vielfalt und Demokratie stärken. Es ist ein fortwährender Prozess, der zeigt, dass die Geschichte unserer Vorfahren weiterhin unser Hier und Jetzt prägt.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Geschrieben von: Redaktion

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