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Kämpfe in Äthiopiens Tigray-Region eskalieren erneut

today24. September 2026

Hintergrund

Im Norden Äthiopiens ist der Konflikt in der Tigray-Region wieder voll entbrannt, wobei Beobachter vor einem drohenden Flächenbrand am Horn von Afrika warnen. Die „Volksbefreiungsfront“ von Tigray strebt die Rückkehr an die Macht an. Die jüngste Eskalation der Kämpfe begann am Mittwoch, dem 23. September 2026. Tigrayanische Kräfte haben dabei die Kontrolle über drei Flughäfen in Mekelle, Axum und Shire übernommen. Als direkte Folge stellte Ethiopian Airlines sämtliche Flüge zu diesen Städten ein.

Die Gefechte haben sich mittlerweile über Tigray hinaus in die benachbarten Regionen Afar und Amhara ausgebreitet. Berichte über schwere Artillerieangriffe durch die Tigrayanischen Kräfte bei dem Versuch, die Stadt Yallo in Afar einzunehmen, liegen vor. Auch um Lalibela, einem UNESCO-Weltkulturerbe in der Zone North Wollo in Amhara, wurden Kämpfe gemeldet. Beide Seiten, die Tigrayanische Regionalregierung und die äthiopische Bundesregierung, beschuldigen sich gegenseitig, die neue Offensive begonnen zu haben. Die Regionalregierung von Tigray spricht von einem „Verteidigungskrieg“ als Reaktion auf eine Offensive der Bundesregierung, die Infanterie, mechanisierte Einheiten, Drohnen und weitere Luftfahrzeuge eingesetzt haben soll. Äthiopische Beamte hingegen werfen der TPLF eine „groß angelegte Offensive“ vor.

Der Vizepräsident der TPLF, Amanuel Assefa, bestätigte, dass sich die Region in einem „ausgewachsenen Krieg“ befindet. Am Sonntag zuvor hatte die TPLF ein Bündnis mit sechs weiteren bewaffneten Gruppen aus ganz Äthiopien geschmiedet, mit dem erklärten Ziel, die Regierung von Premierminister Abiy Ahmed zu stürzen und eine Übergangsregierung zu etablieren. Die TPLF, die vor dem Amtsantritt von Abiy Ahmed im Jahr 2018 jahrzehntelang die äthiopische Politik dominierte, erkennt das Friedensabkommen von Pretoria aus dem Jahr 2022 nicht mehr an. Dieser frühere Bürgerkrieg zwischen 2020 und 2022 forderte Schätzungen zufolge etwa 600.000 Menschenleben und endete mit dem Abkommen, das jedoch viele strittige Punkte ungelöst ließ.

Die humanitäre Lage in Tigray ist prekär, und internationale Beobachter warnen eindringlich vor einem drohenden Flächenbrand am Horn von Afrika. Caritas International verurteilte einen kürzlichen Drohnenangriff auf einen humanitären Hilfskonvoi in Tigray, der 40 Tonnen Hilfsgüter für ein Flüchtlingslager transportierte. Bereits im Februar 2026 waren schätzungsweise 750.000 Menschen innerhalb Tigrays vertrieben. Die Nahrungsmittelknappheit verschärft sich, und es wird von Panikkäufen sowie extrem teuren und knappen essentiellen Medikamenten berichtet. UN-Generalsekretär António Guterres äußerte sich „zutiefst besorgt“ und rief zu größtmöglicher Zurückhaltung, sofortiger Deeskalation, dem Schutz der Zivilbevölkerung und ungehindertem Zugang für humanitäre Hilfe auf. Ähnliche Appelle zur Deeskalation und zum Dialog kamen vom Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Mahmoud Ali Youssouf, und der Europäischen Union. Der US-Botschafter in Äthiopien, Ervin Massinga, zeigte sich enttäuscht über die „groß angelegte Offensive“ der TPLF.

Die Besorgnis über eine Ausweitung des Konflikts auf die gesamte Region des Horns von Afrika ist groß. Analysten vermuten, dass die TPLF Unterstützung von Eritrea erhält, das wiederum befürchtet, Äthiopien könnte versuchen, über eritreisches Territorium Zugang zum Roten Meer zu erlangen. Die äthiopische Regierung hat Eritrea ihrerseits beschuldigt, die TPLF finanziell zu unterstützen, was Asmara jedoch bestreitet. Die aktuelle Eskalation folgt auf monatelange zunehmende Spannungen, die sich aus ungeklärten territorialen Fragen, Machtkämpfen und der unzureichenden Umsetzung des Friedensabkommens von 2022 ergeben haben. In den vergangenen Monaten hatten auch Drohnenangriffe der äthiopischen Streitkräfte auf TPLF-Stellungen die Spannungen zusätzlich verschärft.

Symbolbild – Foto: Tomer Dahari / Pexels

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

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