Hamburg Update

Hacker veröffentlichen Daten nach Angriff auf Berliner Landesnetz

today4. September 2026 4

Hintergrund
share close

Nach einem gravierenden Hackerangriff auf die Berliner Landesverwaltung durch die Gruppe „Rhysida“ haben Cyberkriminelle wie angekündigt etliche gestohlene Daten im Internet veröffentlicht. Der Vorfall ereignete sich, nachdem ein Ultimatum der Angreifer für eine Lösegeldforderung von rund zwei Millionen Euro, umgerechnet 30 Bitcoin, abgelaufen war. Diese Entwicklung unterstreicht einmal mehr die massive und anhaltende Bedrohung durch Cyberkriminalität, der öffentliche Einrichtungen ausgesetzt sind.

Die Gruppe Rhysida hatte am 28. August 2026 einen Eintrag mit dem Titel „Berlin, Germany“ auf ihrer Leak-Seite veröffentlicht und dabei behauptet, 5,79 Terabyte an Daten – rund 1,44 Millionen Dateien – aus dem Landesnetz der deutschen Hauptstadt entwendet zu haben. Forensische Ermittler konnten die Datenexfiltration auf ein fünf Tage umfassendes Zeitfenster zwischen dem 7. und 12. August 2026 zurückverfolgen. Zu den angeblich gestohlenen Informationen gehören sensible Regierungs-, Rechts-, Finanz- und Vertragsdaten, Personalakten, Infrastruktur- und Gesundheitsdaten sowie Kartierungsunterlagen. Die Angreifer behaupten auch, Tausende von Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, 148 IBANs, Klartext-Anmeldeinformationen, Datenbankkonten, Zahlungssystemdaten, Passwort-Safes und Login-Details von hochrangigen Beamten erbeutet zu haben. Auch als geheim eingestufte Papiere von Bundesratsausschüssen sowie Sicherheitsanalysen zur Berliner Wasserversorgung sollen darunter sein. Der Regierende Bürgermeister von Berlin bestätigte den Erpressungsversuch, lehnte jedoch eine Zahlung strikt ab.

Rhysida ist eine Ransomware-as-a-Service (RaaS)-Gruppe, die erstmals im Mai 2023 in Erscheinung trat. Die Kriminellen agieren nach einem „Double Extortion“-Modell, bei dem sie Daten nicht nur verschlüsseln, sondern auch stehlen und deren Veröffentlichung androhen, falls das geforderte Lösegeld nicht gezahlt wird. Sie treten dabei zynisch als „Cybersicherheitsteam“ auf. Seit 2023 hat die Gruppe fast 300 Opfer in 39 Ländern genannt und konzentriert sich auf kritische Sektoren wie Gesundheitswesen, Bildung, Fertigung, Regierung und IT. Zu ihren bekannten Opfern zählen unter anderem die British Library, der Hafen von Seattle und die Stadtverwaltung von Stuttgart. Experten vermuten Verbindungen der Gruppe nach Russland.

Dieser großflächige Angriff auf die Berliner Verwaltung, dessen Ausmaß für eine deutsche Kommune beispiellos ist, reiht sich in eine alarmierende Entwicklung ein. Berichte des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigen, dass die Zahl der Cyberangriffe auf kritische Infrastrukturen in Deutschland von 2023 auf 2024 um 43 Prozent gestiegen ist, mit insgesamt 769 gemeldeten Vorfällen im Jahr 2024. Auch auf europäischer Ebene ist der Trend eindeutig: Öffentliche Verwaltungen waren 2024 der am häufigsten angegriffene Sektor in der EU, betroffen waren 38 Prozent aller gemeldeten Vorfälle.

Die Folgen solcher Angriffe sind weitreichend und gravierend, von tagelangen Ausfällen des Bürgerservices bis hin zu erheblichen finanziellen Belastungen und Imageschäden. Die Wiederherstellung der Systeme dauert oft Monate, wie der Fall des Landkreises Anhalt-Bitterfeld im Jahr 2021 zeigte, der nach einem Cyberangriff den Katastrophenfall ausrufen musste und dessen Wiederaufbau sieben Monate und rund 2,5 Millionen Euro kostete. Der Angriff auf Berlin verdeutlicht erneut, dass die Resilienz gegen Cyberangriffe eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, die kontinuierliche Investitionen und eine verstärkte Zusammenarbeit zum Schutz der digitalen Infrastruktur erfordert.

Symbolbild – Foto: Tima Miroshnichenko / Pexels

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet