Hamburg Update

Geplante Einsparungen an Ganztagsschulen

today28. August 2026

Hintergrund
share close

Die Hamburger Schulbehörde plant weitreichende Einsparungen bei den gebundenen Ganztagsschulen, die auf breite Kritik stoßen. Im Zentrum der Maßnahmen steht die Absicht, rund 250 Lehrerstellen im Nachmittagsbetrieb von Ganztagsgrundschulen durch etwa 370 Erzieherinnen und Erzieher zu ersetzen. Diese Entscheidung, die Teil der Haushaltsplanungen für die Jahre 2027 und 2028 ist, hat insbesondere bei Eltern in der Sternschanze für große Besorgnis gesorgt.

Die geplanten Kürzungen betreffen vorrangig die sogenannten Ganztagsschulen nach Rahmenkonzept (GTS-Schulen), die den Unterricht und die Nachmittagsbetreuung selbst verantworten und dafür bisher 19 Prozent ihrer Mittel für Lehrkräfte im Nachmittagsbereich einsetzen konnten. Künftig sollen diese Lehrerstunden komplett entfallen. Stattdessen ist vorgesehen, dass 77 Prozent der Mittel für Erzieherinnen und Erzieher sowie 23 Prozent für Honorarkräfte fließen, ähnlich der Struktur der GBS-Schulen (Ganztägige Bildung und Betreuung an Schulen), die mit externen Trägern kooperieren. Hamburgs Schulsenatorin Ksenija Bekeris begründet diese Sparmaßnahmen mit der angespannten Haushaltslage der Stadt.

Die Kritik an diesem Vorgehen ist vielfältig und scharf. Der Ganztagsschulverband e.V. äußert sich alarmiert und sieht die über Jahrzehnte entwickelten pädagogischen Konzepte und die jahrelange Schulentwicklung in Gefahr. Hamburg, das lange als „Musterland“ beim Ausbau ganztägiger Bildung galt und den Rechtsanspruch auf Ganztagsförderung bereits flächendeckend umsetzt, arbeite an seinen Ganztagsschulen mit multiprofessionellen Teams aus Lehrkräften, Erzieherinnen, Sozialpädagoginnen und Therapeuten. Eva Reiter, Bundes- und Landesvorsitzende des Ganztagsschulverbands e.V., befürchtet, dass das durchgängige pädagogische Konzept der gebundenen Ganztagsschulen, das eine freiere Strukturierung von Unterrichts-, Spiel-, Bewegungs- und Lernphasen ermöglicht, durch die Streichung der Lehrerstunden bedroht ist. Die Elternkammer Hamburg fordert Transparenz und eine sorgfältige Prüfung der Auswirkungen für jede einzelne Ganztagsschule, da jede Einrichtung eigene Schwerpunkte und Kooperationen aufgebaut habe und pauschale Lösungen nicht angebracht seien.

Die Einsparungen im Bereich der Ganztagsschulen sind nicht die einzigen Kürzungen im Hamburger Bildungssystem. Auch bei den Schulbegleitungen wurden 700 Fälle weniger bewilligt, und die Ausbildung neuer Lehrkräfte wird mit rund 45 Plätzen weniger pro Halbjahr im Vorbereitungsdienst zurückgefahren. Trotz dieser Maßnahmen sind jedoch auch Investitionen geplant: Die Behörde will die Sozialarbeit an Grundschulen ausbauen und in den kommenden zwei Jahren 81 neue Stellen schaffen. Wichtige Bereiche wie die Sprachförderung und Lernferien sollen von den Sparmaßnahmen ausgenommen bleiben.

Die Debatte um die Qualität des Hamburger Ganztags spitzt sich zu. Während der Senat mit einem jährlichen Budget von rund 3,8 Milliarden Euro für Bildung im Doppelhaushalt 2025/2026 die Finanzierung als gesichert darstellt, wachsen bei Eltern und Verbänden die Sorgen, dass die bewährte Qualität der ganztägigen Bildung angesichts der angespannten Haushaltslage leiden könnte. Die Bürgerschaft muss dem Haushalt für 2027 und 2028 noch zustimmen, wodurch die Diskussionen um die Zukunft der Ganztagsschulen in Hamburg weiterhin aktuell bleiben.

Symbolbild – Foto: RDNE Stock project / Pexels

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet