Hamburg Update

Nord-Stream-Prozess in Hamburg beleuchtet Gefahr für Schifffahrt

today4. November 2026

Hintergrund

Im Hamburger Prozess um die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines stand der dritte Prozesstag am Hanseatischen Oberlandesgericht ganz im Zeichen der erheblichen Gefahren, die die Explosionen im Jahr 2022 für die Schifffahrt in der Ostsee darstellten. Ein geladener Sachverständiger beleuchtete die potenziell katastrophalen Folgen der Detonationen. Der Prozess in der Hansestadt wird gegen den ukrainischen Staatsangehörigen Serhij K. fortgesetzt.

Der Wasserbauspezialist Professor Mario Oertel von der Bundeswehruniversität Hamburg erläuterte vor Gericht, dass das schlagartig entweichende Gas bei der Sprengung der Pipelines in bis zu 80 Metern Tiefe kleine Schiffe an der Wasseroberfläche versenkt hätte. Insbesondere Jachten und Segelschiffe mit einer Länge von 12 bis 15 Metern wären gekentert oder gesunken, wenn sie sich unmittelbar über der Blasenfahne im Bereich der Gasfontäne befunden hätten. Für Menschen in diesem Bereich hätten Ertrinken und Ersticken in der gasbeeinflussten, sauerstoffarmen Zone gedroht, während auch die Fahrstabilität und Manövrierfähigkeit mittelgroßer Schiffe beeinträchtigt und die Ladungssicherheit nicht mehr gewährleistet gewesen wären. Bereits am 26. September 2022 erließ die dänische Schifffahrtsbehörde nach den Explosionen Befahrensverbote im Umkreis von fünf Seemeilen um die Lecks.

Die Explosionen ereigneten sich am 26. September 2022 am Grund der Ostsee vor der dänischen Insel Bornholm in etwa 80 Metern Tiefe und verursachten massive Schäden an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 mit insgesamt vier Lecks. Die Ermittlungen führten die Behörden auf die Spur der Segeljacht „Andromeda“, die als zentrales Element der Sabotageaktion gilt. Spuren von Unterwassersprengstoff wurden in Proben der Jacht gefunden, die mutmaßlich von einem Kommando um den Angeklagten Serhij K. genutzt wurde, um Sprengsätze an den Pipelines anzubringen.

Der 50-jährige Serhij K., ein früherer Offizier einer Spezialeinheit des ukrainischen Militärs, wird von der Bundesanwaltschaft als Drahtzieher der Sprengung beschuldigt, die er gemeinsam mit sechs weiteren Tätern verursacht haben soll. Er wurde im August 2025 in Italien festgenommen und im November 2025 nach Deutschland überstellt, wo er sich seitdem in Untersuchungshaft befindet und sich vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht Hamburg verantworten muss. Die Anklage lautet unter anderem auf Kriegsverbrechen wegen des Einsatzes verbotener Methoden der Kriegsführung durch einen Angriff gegen zivile Objekte. Die Verteidigung forderte bereits vergeblich eine Einstellung des Verfahrens.

Der Prozess in Hamburg, über den auch unser Sender RADIO REEPERBAHN berichtet, ist von großer Bedeutung für die Aufklärung dieser Sabotageakte. Die Verhandlungen, die in der Hansestadt stattfinden, sollen Licht in die Hintergründe der komplexen Ereignisse bringen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Das Verfahren wird mit weiteren Terminen fortgesetzt.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it