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Der Stadtrat im sächsischen Heidenau hat trotz bundesweiter Kritik das Verbot neuer Stolpersteine in der Gemeinde bestätigt. In einer gestrigen Sitzung lehnte das Gremium alle fünf eingereichten Petitionen zur Aufhebung des Beschlusses ab. Mit zwölf zu fünf Stimmen bei vier Enthaltungen bekräftigten die Ratsmitglieder ihre im September getroffene Entscheidung, künftig keine weiteren der kleinen Gedenksteine im öffentlichen Raum zuzulassen. Diese erneute Bestätigung löst bundesweit eine intensive Diskussion über die Form und den Ort der Erinnerungskultur an die Opfer des Nationalsozialismus aus.
Die Ablehnung der Petitionen, die von Bürgern aus Dresden, Trierweiler und den Niederlanden eingereicht wurden, untermauert einen Beschluss, der ursprünglich auf einen gemeinsamen Antrag von Vertretern der AfD, CDU und des Bürgerbündnisses Oberelbe zurückgeht. Als Hauptargument führen die Befürworter des Verbots an, dass Stolpersteine, die in den Gehweg eingelassen sind, von Passanten betreten und somit als unwürdig empfunden werden könnten. Stattdessen soll eine zentrale Gedenkstätte auf dem Heidenauer Nordfriedhof entstehen, die nicht nur den Opfern des Nationalsozialismus, sondern auch Opfern von Krieg, Terror und Vertreibung gewidmet ist. Bemerkenswert ist dabei, dass die Heidenauer Stadtverwaltung sich in ihrer Beschlussvorlage ursprünglich gegen das Verbot ausgesprochen und die Bedeutung der Präsenz von Stolpersteinen im öffentlichen Raum für eine breite Wahrnehmung der Geschichte betont hatte.
Die Entscheidung Heidenaus hat bereits im September eine Welle der Empörung ausgelöst und wird auch nach der jüngsten Bestätigung scharf kritisiert. Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) bezeichnete den Schritt als „Skandal“ und warnte, dass das Verbannen von Gedenkorten jüdischen Lebens auf den Friedhof Jüdinnen und Juden „noch einmal unsichtbar“ mache. Christoph Heubner vom Internationalen Auschwitz Komitee sprach von einem „durchsichtigen und schäbigen Versuch“, die Opfer des Nationalsozialismus erneut aus dem Stadtbild zu verdrängen. Auch Gunter Demnig, der Initiator der Stolpersteine, äußerte sein Unverständnis über den Beschluss und kritisierte die CDU für ihre Beteiligung. Der israelische Botschafter Ron Prosor zeigte sich ebenfalls entsetzt.
Die Stolpersteine, ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, erinnern seit den 1990er Jahren an Menschen, die von den Nationalsozialisten verfolgt, deportiert und ermordet wurden. Über 100.000 dieser kleinen Messingtafeln wurden bereits in Deutschland und vielen europäischen Ländern verlegt, meist vor den letzten frei gewählten Wohnhäusern oder Wirkungsstätten der Opfer. Sie sollen Passanten zum Innehalten und zum gedanklichen „Stolpern“ anregen, um die Erinnerung an individuelle Schicksale im Alltag präsent zu halten. In Heidenau selbst existieren bereits Stolpersteine an zwei Orten, unter anderem für den früheren Bürgermeister Paul Gröger. Die aktuelle Debatte in Heidenau reiht sich ein in frühere Diskussionen in anderen Kommunen, wie beispielsweise in München, wo Stolpersteine auf städtischem Grund lange Zeit untersagt waren. Für uns bei RADIO REEPERBAHN Hamburg, einem Sender aus einer Stadt mit einer aktiven und vielfältigen Erinnerungskultur, ist es wichtig, diese Entwicklungen genau zu verfolgen und darüber zu berichten.
Symbolbild – Foto: MART PRODUCTION / Pexels
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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