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Liebe Hörerinnen und Hörer von RADIO REEPERBAHN Hamburg, wir informieren Sie über eine wichtige Entwicklung im Hamburger Justizvollzug. Das Hamburger Untersuchungsgefängnis hat eine neue Station speziell für psychisch erkrankte Gefangene eingerichtet. Justizsenatorin Anna Gallina betonte bei der Einweihung, dass damit der kontinuierlich gestiegenen Zahl solcher Häftlinge Rechnung getragen werde. Die Eröffnung der psychiatrischen Kurzzeitstation markiert einen bedeutenden Schritt zur Verbesserung der Versorgungslage in der Hansestadt.
Die Notwendigkeit dieser neuen Einrichtung wird durch alarmierende Zahlen untermauert: Studien zufolge weisen 70 bis 80 Prozent der Inhaftierten im Strafvollzug psychische Störungen auf. Zieht man Substanzkonsumstörungen ab, sind es immer noch 30 bis 40 Prozent. Bundesweit schätzt die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), dass bis zu 88 Prozent der Häftlinge mindestens unter einer psychischen Erkrankung leiden, wobei Psychiater wie Gregor Groß eine deutlich höhere Prävalenz innerhalb von Haftanstalten als außerhalb feststellen. Viele Gefangene kommen bereits mit psychischen Problemen in den Vollzug und erhalten dort oft erstmals überhaupt eine Versorgung. Die Justizvollzugsanstalten sind jedoch oft mit der Bereitstellung ausreichender therapeutischer Behandlung überfordert, und die Umsetzung des Rechts auf gleichwertige gesundheitliche Behandlung scheitert häufig am Vollzugsalltag.
Die neue Kurzzeitstation, die sich im obersten Geschoss des Zentralkrankenhauses des Hamburger Untersuchungsgefängnisses befindet, bietet bis zu 14 Behandlungsplätze und soll am 1. November ihren Betrieb aufnehmen. Sie soll eine bestehende Versorgungslücke schließen – und zwar zwischen der ambulanten Behandlung in den Hamburger Justizvollzugsanstalten und der stationären Aufnahme in eine externe psychiatrische Klinik. Die Einrichtung ist für akut psychisch erkrankte Gefangene gedacht, die auf einen externen Klinikplatz warten, keine vollstationäre Betreuung benötigen oder bei denen die Diagnosestellung noch unklar ist. Die Kosten für die Einrichtung der Station beliefen sich auf knapp eine halbe Million Euro.
Justizsenatorin Gallina betonte, dass diese Maßnahme Teil eines gesamtstädtischen Psychiatriekonzepts ist und die ambulante psychiatrische Versorgung in den Hamburger Justizvollzugsanstalten bereits massiv aufgestockt wurde. Die Zahl der Behandlungsstunden hat sich seit 2013 nahezu verdreifacht. Mit dieser neuen psychiatrischen Kurzzeitstation wird ein Ort geschaffen, an dem psychisch erkrankte Gefangene schneller versorgt, frühzeitiger stabilisiert und gezielter weiterbehandelt werden können. Die Station steht allen sechs Justizvollzugsanstalten in Hamburg zur Verfügung, wobei die Behandlungsdauer bis zu zwölf Wochen betragen kann.
Die Situation psychisch kranker Straftäter stellt das Justizsystem in ganz Deutschland vor große Herausforderungen. Insbesondere der Maßregelvollzug in Hamburg ist überfüllt, was zu langen Wartezeiten für akut kranke Personen führt, die eigentlich in eine Fachklinik gehören. Die neue Kurzzeitstation im Hamburger Untersuchungsgefängnis ist ein wichtiger Schritt zur Stärkung der psychiatrischen Versorgung im Justizvollzug und zur Schließung von Versorgungslücken, um den dortigen Herausforderungen besser zu begegnen.
Symbolbild – Foto: RDNE Stock project / Pexels
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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