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Marokko hat am 23. September 2026 eine Parlamentswahl erlebt, die von einer historisch niedrigen Wahlbeteiligung geprägt war. Lediglich 38 Prozent der Wahlberechtigten gaben ihre Stimme ab, der niedrigste Stand seit dem Jahr 2007. Als stärkste Kraft ging aus dieser Wahl die Authentizität und Modernitätspartei (PAM) hervor, die 97 der insgesamt 395 Sitze im Parlament gewann. Für die Wähler und Hörer von RADIO REEPERBAHN hier in Hamburg ist dies eine wichtige Nachricht, die Aufschluss über die politische Stimmung in dem nordafrikanischen Land gibt.
Die Wahl markiert eine deutliche Verschiebung in der marokkanischen Parteienlandschaft. Die bisherige Regierungskoalition unter Führung der Nationalen Sammlung der Unabhängigen (RNI) musste Verluste hinnehmen und belegte mit 66 Sitzen den zweiten Platz, nachdem sie 2021 noch 102 Sitze innehatte. Bemerkenswert ist das Comeback der gemäßigt islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD), die von nur 13 Sitzen im Jahr 2021 auf nunmehr 54 Sitze aufstieg. Die siegreiche PAM, eine zentristisch-liberale Partei, wird oft als dem Königshaus nahestehend wahrgenommen und wurde 2008 gegründet, um dem Aufstieg islamistischer Parteien entgegenzuwirken.
Die Gründe für die anhaltend geringe Wahlbeteiligung sind vielfältig und spiegeln eine wachsende Distanz der Bürger zum politischen System wider. Ein zentraler Faktor ist das Misstrauen gegenüber politischen Parteien und die weit verbreitete Ansicht, dass Wahlen lediglich zu einem Austausch von Namen führen, während die Politik im Wesentlichen unverändert bleibt. Hohe Lebenshaltungskosten, Arbeitslosigkeit – insbesondere unter Jugendlichen – und ein Mangel an konkreten Lösungen für die Bedürfnisse der Bevölkerung tragen ebenfalls zur Frustration bei. Nur etwa vier Prozent der registrierten Wähler waren zwischen 18 und 24 Jahre alt, und 70 Prozent der jungen Marokkaner vertrauen den gewählten Institutionen nicht.
Experten weisen zudem auf die bürokratischen Hürden bei der Wählerregistrierung hin, da eine aktive Vorabregistrierung Wochen vor der Wahl erforderlich ist, anders als etwa in Deutschland, wo der Personalausweis für die Stimmabgabe ausreicht. Auch Proteste, die sich in den letzten Jahren gegen mangelhafte Gesundheitsversorgung, Bildung und hohe Lebenshaltungskosten richteten, zeigen, dass viele Bürger ihre Anliegen außerhalb der Wahlurnen zum Ausdruck bringen. Die neue Regierung steht somit vor der gewaltigen Aufgabe, das Vertrauen der Bevölkerung zurückzugewinnen und auf drängende soziale und wirtschaftliche Probleme zu reagieren.
Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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