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Die Debatte um ein autofreies Hamburg erreicht mit Verkehrsexperten Professor Carsten Gertz ein neues Niveau. Es wird derzeit erkundet, wie die Hansestadt den Gedanken eines autoslosen Zentrums radikal weiterdenken könnte. Diese Diskussion steht im Einklang mit einer bereits länger andauernden Entwicklung und politischen Bestrebungen in Hamburg, den innerstädtischen Raum neu zu gestalten.
Bereits im Mai 2020 hatten sich SPD und Grüne in Hamburg auf ein Konzept für eine autofreie Innenstadt geeinigt. Ziel war es, die Attraktivität des Stadtzentrums zu steigern und mehr Raum für Fußgänger sowie Gastronomie zu schaffen. Konkrete Maßnahmen umfassten die Umwandlung des Jungfernstiegs, wo künftig nur noch Busse zugelassen sein sollen, sowie eine schrittweise Reduzierung des Busverkehrs in der Mönckebergstraße zugunsten der Steinstraße. Auch das Passagenviertel soll autofrei werden, wobei der Zugang zu Parkhäusern weiterhin gewährleistet bleibt.
Die „Strategie Mobilitätswende“, die der Rot-Grüne Senat am 28. November 2023 beschloss, untermauert diese Ambitionen. Sie sieht vor, bis 2030 80 Prozent aller Wege im sogenannten Umweltverbund – also zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem öffentlichen Nahverkehr – zurückzulegen. Diese Strategie fußt auf einem bereits erkennbaren Trend: Der private Pkw-Verkehr in Hamburgs Straßen hat sich seit dem Jahr 2000 um rund 19 Prozent reduziert, während der Radverkehr im selben Zeitraum um 120 Prozent und der ÖPNV vor der Corona-Pandemie um über 60 Prozent zugenommen hat und dank des Deutschlandtickets wieder Rekordniveau erreicht. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des NDR ergab zudem, dass sich eine deutliche Mehrheit von 67 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger für eine autofreie Innenstadt ausspricht.
Professor Carsten Gertz, der seit Oktober 2004 das Institut für Verkehrsplanung und Logistik an der Technischen Universität Hamburg leitet, bringt seine Expertise in diese Weiterentwicklung ein. Er beschäftigt sich unter anderem mit Studien zu Pkw-Besitz und Pkw-Freiheit in Hamburger Stadtteilen wie Hoheluft-Ost und analysiert dabei die Faktoren, die Bewohnerinnen und Bewohner zu einem Verzicht auf das Auto bewegen. Seine Beiträge und Vorträge zu Themen wie „Mobilität für eine lebenswerte Stadt“ und die „Umsetzung der Stadt von morgen“ zeigen seine fundierte Auseinandersetzung mit den Herausforderungen und Chancen einer zukunftsfähigen urbanen Mobilität.
Pilotprojekte in Hamburg haben bereits die Potenziale solcher Veränderungen aufgezeigt. Ein temporärer Modellversuch im Rathausquartier, der von August bis Oktober 2019 lief, verwandelte Straßen in eine autofreie Zone, die von der Bevölkerung positiv angenommen wurde. Eine Befragung im Jahr 2020 ergab, dass sich 93 Prozent der Teilnehmenden eine Fortsetzung des Projektes wünschten. Auch in Ottensen gab es temporäre Verkehrsberuhigungen, die teils intensive Debatten auslösten, aber auch neue Räume für Begegnung schufen. International dienen Städte wie Oslo, die seit 2019 keine privaten Pkw mehr in der Innenstadt zulässt, und Madrid, das nur noch Anwohner-Pkw im Kernbereich der Altstadt erlaubt, als Vorbilder für eine konsequente Verkehrswende. Hamburgs Bestreben, den öffentlichen Raum für Menschen zurückzuerobern und die Lebensqualität zu erhöhen, orientiert sich an diesen Beispielen.
Symbolbild – Foto: Malte Luk / Pexels
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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