Hamburg Update

Mieter suchen nach Abriss in Holstenstraße im Schutt

today18. August 2026 6

Hintergrund
share close

Mieter in der Hamburger Holstenstraße durchsuchen nach dem Abriss eines Teils ihres Wohnhauses verzweifelt einen Schutthaufen nach persönlichen Habseligkeiten. Nachdem sie ihre Wohnungen wegen akuter Einsturzgefahr fluchtartig räumen mussten und dabei alles zurückließen, versuchen die ehemaligen Bewohner nun über drei Tage hinweg, Erinnerungsstücke und wichtige Dokumente aus den Trümmern zu bergen. Ob und wann sie in ein wiederaufgebautes Haus zurückkehren können, ist weiterhin unklar.

Das Unglück ereignete sich in den Gebäuden Holstenstraße 195/197 in Hamburg-Altona, einem um 1894 erbauten Mehrfamilienhaus, an dessen tragenden Bauteilen massive Risse entdeckt worden waren, die das Haus unbewohnbar machten. Die Bewohner mussten ihre Wohnungen innerhalb weniger Minuten verlassen, wobei einige Mieter, etwa in der Hausnummer 199, nur zehn Minuten Zeit hatten, um das Nötigste zu holen. Viele persönliche Gegenstände blieben in den Wohnungen zurück und liegen nun unter den Trümmern begraben, da eine umfassende Bergung aufgrund der Einsturzgefahr nicht möglich war. Lediglich drei Bausäcke mit Kinderkleidung und Spielsachen konnten im Beisein der Polizei von einem Baggerfahrer gerettet werden. Die Abrissarbeiten des Hinterhauses begannen am 11. August 2026.

Die dramatische Situation betrifft nicht nur die direkten Bewohner der Hausnummern 195/197. Auch die angrenzenden Gebäude Holstenstraße 191/193 und 199 mussten aus Sicherheitsgründen geräumt werden, da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sie durch einen möglichen Einsturz oder die Abrissarbeiten in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Mieter äußerten massive Kritik an der langen Reaktionszeit der Behörden und des Eigentümers. Am 10. August 2026 versammelten sich die Bewohner zu einer Protestkundgebung vor dem Haus, um auf ihre prekäre Lage aufmerksam zu machen und ihre Verzweiflung auszudrücken.

Gegen den Hamburger Eigentümer des denkmalgeschützten Hauses wurde inzwischen eine Strafanzeige wegen mutmaßlicher Verstöße gegen baurechtliche Verordnungen eingereicht, und das Landeskriminalamt ermittelt. Mietervereine wie der Mieterverein zu Hamburg und Mieter helfen Mietern fordern, dass der Eigentümer, der über große wirtschaftliche Kapazitäten verfügen soll, behördlich verpflichtet wird, das Gebäude innerhalb von sechs Monaten wiederherzustellen und für den entstandenen Schaden aufzukommen. Auch nach dem Teilabriss ist die Standsicherheit des restlichen Gebäudes und der Nachbarhäuser noch nicht abschließend geklärt; eine weitere Wand soll kontrolliert abgebrochen werden, bevor über das weitere Vorgehen entschieden werden kann. Das Bezirksamt Altona bemüht sich, die Mieter bei der Suche nach geeignetem Wohnraum zu unterstützen, kann aber keine dauerhafte oder vorübergehende Ersatzunterbringung garantieren. Die Unsicherheit und der Verlust bleiben für die betroffenen Familien eine immense Belastung.

Symbolbild – Foto: Mike Bird / Pexels

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet