Hamburg Update

Hochbahn meldet Zunahme von Angriffen auf Personal

today24. Juli 2026 5

Hintergrund
share close

Die Hamburger Hochbahn sieht sich mit einer beunruhigenden Zunahme von Übergriffen auf ihr Personal konfrontiert. Im ersten Halbjahr dieses Jahres verzeichnete das Unternehmen 72 körperliche oder verbale Attacken auf seine Mitarbeitenden, wovon sowohl das Zugpersonal als auch die Hochbahn-Wache betroffen sind. Diese Zahl unterstreicht die wachsende Herausforderung, die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr zu gewährleisten.

Die aktuelle Entwicklung fügt sich in einen breiteren, seit Jahren beobachtbaren Trend. So nahmen die Angriffe auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im gesamten Hamburger ÖPNV bereits im Jahr 2024 deutlich zu. Eine Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion zählte im vergangenen Jahr 483 körperliche oder verbale Attacken auf Personal von S-Bahn, Hochbahn, VHH und AKN, wobei 212 Beschäftigte Opfer von Körperverletzungen wurden. Dies entsprach einem Anstieg von zehn Prozent im Vergleich zu 2023. CDU-Fraktionschef Dennis Thering bezeichnete diese Entwicklung als „alarmierend“. Auch für das Jahr 2025 wurden allein für Busfahrerinnen und Busfahrer in Hamburg mehr als 100 angezeigte Übergriffe gemeldet.

Die Übergriffe reichen von Pöbeleien und Beleidigungen bis hin zu tätlichen Attacken, die Prellungen, Schwellungen oder Zerrungen zur Folge haben können. Viele Mitarbeiter erleben eine Verschlechterung ihres Sicherheitsempfindens: Eine Umfrage ergab im Februar 2026, dass 63 Prozent der Beschäftigten ihr Sicherheitsempfinden in den letzten fünf Jahren als verschlechtert empfanden, und ganze 82 Prozent waren bereits selbst Opfer eines körperlichen oder verbalen Angriffs. Der Senat führt die steigenden Zahlen teilweise auf eine verbesserte Meldekultur zurück, da Mitarbeitende explizit ermutigt werden, Übergriffe zur Anzeige zu bringen.

Um der steigenden Gewalt entgegenzuwirken, hat die Hochbahn gemeinsam mit dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) und weiteren Partnern zahlreiche Maßnahmen ergriffen oder auf den Weg gebracht. Das Sicherheitspersonal bei den Verkehrsunternehmen wurde seit 2020 bereits um 16 Prozent auf rund 670 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht, mit weiteren 80 Sicherheitskräften für Hoch- und S-Bahn-Wachen im Jahr 2025. Zudem werden seit August 2025 Bodycams bei der Hochbahn-Wache eingesetzt, die der Beweissicherung und Deeskalation dienen sollen. Seit Dezember 2024 gilt in Hamburg ein Waffenverbot im gesamten Nahverkehr.

Technologische Neuerungen spielen ebenfalls eine Rolle: Seit Anfang 2025 testet die Hochbahn eine KI-gestützte Videoanalyse an U-Bahn-Haltestellen, um sicherheitsrelevante Situationen wie Personen im Gleisbereich oder tätliche Auseinandersetzungen schneller zu erkennen. Nach erfolgreichen Testläufen wird diese Technologie an weiteren Stationen wie den Landungsbrücken und dem Hauptbahnhof Süd ausgebaut. Zusätzlich wurde ein Pilotprojekt für einen Hilferuf via WhatsApp bei der S-Bahn gestartet. Der HVV setzt zudem auf Kampagnen zur Stärkung der Zivilcourage und verstärkt die Präsenz des Sicherheitspersonals, besonders in den Abendstunden.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet