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Der Hamburger Profiboxer Peter Kadiru steht vor der größten sportlichen Chance seines Lebens. Am Samstag steigt der 29-Jährige in Moskau in den Ring, um gegen den russischen Titelverteidiger Murat Gassiev um den Weltmeistertitel im Schwergewicht der World Boxing Association (WBA) zu kämpfen. Das Duell, das in der russischen Hauptstadt stattfindet, wirft die Frage auf, ob es sich in Anbetracht des anhaltenden Krieges in der Ukraine noch um reinen Sport handelt oder bereits um ein Propagandainstrument.
Die Chance auf den WM-Titel kam für Kadiru völlig überraschend und kurzfristig. Er springt für den verletzten französischen Olympiasieger Tony Yoka ein, der aufgrund einer Rückenverletzung absagen musste. Die Tür zum WM-Kampf öffnete sich, nachdem der ukrainische Superstar Oleksandr Usyk seine Gürtel niedergelegt hatte, wodurch Gassiev zum WBA-Champion aufstieg. Kadiru hatte sich erst Mitte Mai durch einen Sieg gegen Senad Gashi den WBA-Continentaltitel gesichert, was ihn in die Top 15 der WBA-Rangliste katapultierte – eine Voraussetzung für eine WM-Chance.
Trotz der enormen Bedeutung des Kampfes erfolgt Kadirus Vorbereitung unter extremem Zeitdruck. Der Vertrag wurde nur fünf Tage vor dem Kampfabend unterzeichnet, was dem Hamburger faktisch keine Möglichkeit für eine gezielte Vorbereitung ließ. Ursprünglich hatte Kadiru sogar einen Urlaub am Timmendorfer Strand geplant. Mit seinem Trainer Christian Morales und einem Cutman reiste er nach Berlin, um in der russischen Botschaft im Schnellverfahren ein Visum zu erhalten, bevor es per Flugzeug nach Moskau ging. Kadirus Team betont, sich auf die sportliche Herausforderung zu konzentrieren und die politische Lage auszublenden.
Die Durchführung eines solchen hochkarätigen Sportevents in Moskau ist vor dem Hintergrund des Krieges in der Ukraine umstritten. Während das Internationale Olympische Komitee (IOC) kürzlich seine Sanktionen gegen Russland vorläufig aufhob und argumentierte, dass die Teilnahme von Athleten nicht durch die Handlungen ihrer Regierungen eingeschränkt werden sollte, gibt es weiterhin deutliche Kritik. So fordert beispielsweise der ukrainische Fußballverband ein Verbot für russische Sportler, solange der Krieg andauert. Die Welt des Boxsports selbst ist gespalten; einige nationale Verbände haben sich vom International Boxing Association (IBA), der von einem „Putin-Freund“ geleitet wird, abgewandt und eine neue Organisation namens „World Boxing“ gegründet.
Die Debatte um Sport und Politik in Russland wird zusätzlich durch die aktuelle Sicherheitslage in Moskau verschärft, wo es in jüngster Vergangenheit zu Drohnenangriffen kam. Für Peter Kadiru bedeutet dies, dass er nicht nur gegen einen starken Gegner im Ring antreten muss, sondern sein Auftritt in Moskau unweigerlich auch im Spannungsfeld internationaler Politik und ethischer Fragen betrachtet wird. Die Frage, ob es noch Sport oder schon Propaganda ist, begleitet ihn und den Kampf in der VTB Arena.
Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.
Geschrieben von: Redaktion
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