Hamburg Update

Gesundheitsministerium unter Lobbyismus-Verdacht bei Cannabis-Medikament

today29. September 2026 20 5

Hintergrund
share close

Gesundheitsministerium unter Lobbyismus-Verdacht bei Cannabis-Medikament

Eine aktuelle Recherche des Nachrichtenmagazins SPIEGEL vom 29. September 2026 rückt das Bundesgesundheitsministerium in den Fokus einer brisanten Affäre. Neue Hinweise deuten auf Ungereimtheiten bei der Zulassung des Cannabismedikaments „Exilby“ des Herstellers Vertanical hin und werfen Fragen zur Lobbyarbeit des Unternehmens auf. Dem Ministerium wird vorgeworfen, in diesem Zusammenhang wichtige Lobbykontakte verschwiegen zu haben, was auch in Hamburg und Umgebung auf großes Interesse stößt.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend: Nur zwei Monate nach einem Besuch der damaligen Gesundheitsministerin Nina Warken bei Vertanical-Gründer Clemens Fischer im März 2026 erfolgte die deutsche Zulassung für „Exilby“. Dieses Cannabis-Fertigmedikament von Vertanical soll chronische Schmerzen lindern und kam am 1. September 2026 auf den Markt. Bereits Ende August berichtete der SPIEGEL über interne Dokumente, die auf „Druck von oben“ bei der Zulassung hindeuten, was das zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) jedoch bestritt.

Besonders pikant erscheint eine Last-Minute-Änderung im sogenannten „GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz“, die kurz nach der Zulassung von der schwarz-roten Bundesregierung verabschiedet wurde. Diese Änderung sieht vor, dass Ärzte Schmerzpatienten zunächst Cannabis-Fertigarzneimittel verschreiben müssen. Individuelle Rezepturen aus der Apotheke werden nur noch bezahlt, wenn die Fertigarzneimittel keine ausreichende Wirkung zeigen. Experten und Verbände sehen in dieser Regelung einen klaren Vorteil für Vertanical, das als größter Profiteur dieser Gesetzesanpassung gilt.

Weiterhin wird bekannt, dass die Futrue GmbH, zu deren Unternehmensgruppe Vertanical gehört, vor der Bundestagswahl 2025 beträchtliche Spenden an politische Parteien geleistet hat: insgesamt 560.000 Euro, aufgeteilt auf CDU, CSU, FDP und SPD. Der Deutsche Hanfverband kritisierte die gesetzliche Änderung als „skandalöse Entscheidung“ und sprach in diesem Zusammenhang von einer möglichen „Lex Fischer“, die einen Parteispender begünstigen könnte. Auch die Tatsache, dass Beamte des Ministeriums bereits vor Warkens Besuch bei Vertanical den Verfahrensstand des Zulassungsantrags beim BfArM abfragten, nährt den Verdacht der politischen Einflussnahme.

Die neuen Erkenntnisse der SPIEGEL-Recherche werfen ein kritisches Licht auf die Abläufe im Bundesgesundheitsministerium und die Pharmabranche. Es bleibt abzuwarten, welche weiteren Konsequenzen diese Enthüllungen für die beteiligten Akteure und die zukünftige Gesetzgebung rund um medizinische Cannabisprodukte haben werden. Für RADIO REEPERBAHN in Hamburg bleiben wir an diesem wichtigen Thema dran, das nicht nur die Politik, sondern auch zahlreiche Patienten bundesweit betrifft.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it