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Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei verschlechtern sich zusehends, wobei sich beide Länder gegenseitig die Schuld für die Eskalation geben. Streitpunkte sind Hoheitsgewässer, Besitzansprüche und der Einfluss im Mittelmeerraum, unter anderem im Zusammenhang mit der türkischen „Mavi Vatan“-Doktrin, Meeresschutzparks und Militärmanövern. Diese langanhaltenden Konflikte, die bis in die 1980er Jahre zurückreichen, sind erneut aufgeflammt und bergen die Gefahr einer weiteren Zuspitzung.
Ein zentraler Streitpunkt ist die türkische „Mavi Vatan“-Doktrin, was übersetzt „Blaues Vaterland“ bedeutet. Diese irredentistische und expansionistische Doktrin, die 2006 entwickelt wurde und unter Präsident Erdoğan gefördert wird, beansprucht große Meeresgebiete von insgesamt 462.000 Quadratkilometern im Schwarzen Meer, in der Ägäis und im östlichen Mittelmeer für die Türkei. Ankara beabsichtigte im Frühjahr 2026, diese territorialen Ansprüche durch ein entsprechendes Gesetz zu verfestigen. Die Türkei hat das Seerechtsübereinkommen der Vereinten Nationen (UNCLOS) nicht ratifiziert und lehnt die griechische Auslegung ab, die den vielen kleinen griechischen Inseln wie Kastellorizo, die nur zwei Kilometer vor der türkischen Küste liegt, eigene Seegebiete zuspricht. Griechenland hingegen verweist auf internationale Rechtsnormen wie UNCLOS, wonach alle Ägäis-Inseln Seegebiete besitzen.
Aktuellen Zündstoff liefern auch die beiderseitigen Ausweisungen von Meeresschutzparks. Nachdem Griechenland im Juli 2025 zwei Meeresparks im Ionischen und Ägäischen Meer ausgerufen hatte, zog die Türkei im August 2026 mit eigenen „nationalen Meeresparks“ im nordöstlichen Ägäischen Meer und im östlichen Mittelmeer nach. Athen protestierte scharf und stuft die türkischen Schutzgebiete als rechtswidrig ein, da deren Grenzen über die türkischen Hoheitsgewässer hinausreichten und darauf abzielten, die Ägäis zu zerteilen und Inseln wie Kastellorizo faktisch abzuschneiden. Die Einrichtung dieser Parks, die dem Schutz bedrohter Arten dienen sollen, wird von Griechenland als Versuch Ankaras gewertet, Fakten im Streit um maritime Ansprüche zu schaffen. Darüber hinaus verschärfen potenzielle Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer den Konflikt, wobei die Türkei ihre Forschungs- und Bohrschiffe regelmäßig von Kriegsschiffen eskortieren lässt.
Die militärische Präsenz in der Region wird von beiden Seiten demonstrativ verstärkt. Im September 2026 startete die Türkei das Marinemanöver „Seawolf I/2026“ mit 100 Schiffen, 50 Luftfahrzeugen und 14.000 Soldaten im Schwarzen Meer, der Ägäis und dem östlichen Mittelmeer. Schon im August 2026 verletzte eine türkische Drohne den griechischen Luftraum und musste von griechischen F-16-Kampfjets abgedrängt werden. Griechenland reagiert mit einer Stärkung seiner militärischen Abschreckung, investierte 2025 rund 8 Milliarden US-Dollar in die Verteidigung und stationiert unter anderem israelische Spike-NLOS-Raketen sowie Mirage 2000-5 Kampfflugzeuge auf den Ägäis-Inseln. Ankara wirft Griechenland im Gegenzug die Militarisierung der entmilitarisierten Ägäis-Inseln vor. Während die EU die Souveränität ihrer Mitgliedsstaaten betont und in der Vergangenheit Sanktionen gegen die Türkei verhängte, versuchen auch die NATO-Partner durch Deeskalationsmechanismen, eine weitere Eskalation zu verhindern.
Der Kern des Konflikts liegt in den seit Jahrzehnten ungelösten Fragen der Grenzverläufe und Wirtschaftszonen rund um die griechischen Ägäis-Inseln sowie den unterschiedlichen Interpretationen des internationalen Seerechts. Die Türkei beharrt auf ihren Ansprüchen, während Griechenland die Ausweitung der türkischen Kontrolle als Bedrohung der regionalen Stabilität ansieht. Die Gefahr einer militärischen Auseinandersetzung bleibt bestehen, da beide Seiten an ihren maximalistischen Forderungen festhalten und der Zypernkonflikt zusätzlich die Spannungen in der Region verschärft. Trotz gelegentlicher Bemühungen um Entspannung bleibt die Lage fragil.
Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.
Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.
Geschrieben von: Redaktion
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