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Kühne+Nagel will wohl NS-Vergangenheit aufarbeiten

today22. September 2026 1

Hintergrund
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Kühne+Nagel will offenbar seine NS-Vergangenheit aufarbeiten. Diese überraschende Wende bahnt sich nach dem Tod von Klaus-Michael Kühne an, der am 23. August 2026 im Alter von 89 Jahren in der Schweiz verstorben ist. Die Ankündigung der Kühne-Stiftung wirft auch Fragen zur Zukunft der Neuen Oper in Hamburg auf, deren Bau maßgeblich von Kühne finanziert wird.

Das in Hamburg ansässige Logistikunternehmen Kühne+Nagel hat eine tief verwurzelte und belastende NS-Vergangenheit. Bereits 1933 wurde der jüdische Teilhaber Adolf Maass ohne Abfindung aus der Firma gedrängt, während Alfred und Werner Kühne, die Söhne des Firmengründers, kurz darauf der NSDAP beitraten. Kühne+Nagel profitierte in der Folge von den „Arisierungs“-Politiken des Regimes und wurde als „Musterbetrieb“ ausgezeichnet. Eine besonders dunkle Facette ist die Beteiligung des Unternehmens an der sogenannten „M-Aktion“, bei der es geraubte Haushalte deportierter und ermordeter Jüdinnen und Juden aus besetzten Gebieten wie den Niederlanden, Luxemburg, Frankreich und Belgien nach Deutschland transportierte, um sie dort zu versteigern. Der Historiker Frank Bajohr vom Zentrum für Holocaust-Studien in München bezeichnete die Handlungen des Unternehmens als „eine Form von Leichenraub“. Klaus-Michael Kühne selbst hatte eine umfassende, unabhängige Untersuchung der Firmengeschichte bislang abgelehnt und argumentiert, dass wesentliche Unternehmensakten im Krieg zerstört worden seien. Er äußerte im Frühjahr 2025, dass die Debatte erst 2015, 70 Jahre nach Kriegsende, aufgekommen sei und alte Wunden aufreiße, und dass er bei einer Diskussion kurz nach dem Krieg volles Verständnis gehabt hätte.

Nun deutet sich jedoch ein grundlegender Kurswechsel an. Jörg Dräger, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung, erklärte gegenüber dem NDR, dass sich der Logistikkonzern Kühne+Nagel der Frage nach seiner Rolle während des Nationalsozialismus widmen werde. Dräger betonte dabei, dass Klaus-Michael Kühne, der zur Kriegszeit sieben Jahre alt war, persönlich nicht betroffen gewesen sei, sondern es die Geschichte des von ihm zu einem Weltkonzern ausgebauten Unternehmens betreffe. Diese Ankündigung ist bemerkenswert, da sie eine Distanzierung von der bisherigen „Schlussstrich-Haltung“ der Unternehmensführung bedeutet. Allerdings bleiben die genauen Bedingungen der angekündigten Aufarbeitung, wie die Beauftragung unabhängiger Historiker, die Öffnung von Archiven, die Berücksichtigung externer Quellen sowie der Zeitplan und die Veröffentlichung eines Abschlussberichts, vorerst noch offen.

Die ursprüngliche Meldung warf zudem Fragen zur Zukunft der Neuen Oper in Hamburg auf. Die Planungen für das ambitiöse Projekt in der HafenCity sollen jedoch trotz des Todes von Klaus-Michael Kühne unverändert fortgesetzt werden. Ein Sprecher der Hamburger Kulturbehörde bestätigte, dass der Vertrag zum Neubau der Oper mit der Kühne-Stiftung geschlossen wurde und weiterhin Gültigkeit besitzt. Die Kühne-Stiftung hatte sich bereit erklärt, bis zu 340 Millionen Euro für den Bau des Opernhauses zu finanzieren. Die Stadt Hamburg stellt im Gegenzug ein Grundstück am Baakenhöft unentgeltlich zur Verfügung und trägt zudem Kosten von 147,5 Millionen Euro für standortspezifische Mehraufwendungen wie Gründung und Flutschutz sowie weitere rund 104 Millionen Euro für die Herrichtung des Grundstücks und der Infrastruktur.

Der Siegerentwurf des Architekturbüros Bjarke Ingels Group (BIG), der im November 2025 vorgestellt wurde, sieht ein gläsernes Opernhaus mit einer einladenden, begehbaren Dachlandschaft vor, die sich zur Elbe und in die Stadt öffnet. Baubeginn könnte Anfang 2030 sein, mit einer möglichen Fertigstellung im Jahr 2034. Das Opernprojekt war im Vorfeld nicht unumstritten, da Kritiker die Sorge äußerten, es könne als Ablenkung von der geforderten Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von Kühne+Nagel dienen. Nach Kühnes Tod gehen seine umfangreichen Vermögenswerte, die zuletzt auf rund 35 bis 49 Milliarden Euro geschätzt wurden, an seine gemeinnützige Kühne-Stiftung über, die damit zu einer der größten Stiftungen Europas aufsteigen wird und sein Vermächtnis als Mäzen fortführt.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

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