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Russland: Kritische Zeitung »Nowaja Gaseta« stellt Betrieb endgültig ein

today30. Oktober 2026

Hintergrund

Für die Hörerinnen und Hörer von RADIO REEPERBAHN in Hamburg und darüber hinaus ist der 9. November 2026 ein trauriger Tag für die Pressefreiheit in Russland: Die renommierte russische Zeitung »Nowaja Gaseta«, bekannt für ihre kritische Berichterstattung, stellt an diesem Datum ihren Betrieb endgültig ein. Dieser Schritt markiert einen weiteren schweren Schlag für den unabhängigen Journalismus in Russland, der seit Jahren massiven Repressionen ausgesetzt ist.

Die Schließung erfolgt nach einer Reihe von staatlichen Maßnahmen, die die Arbeit der Zeitung zunehmend unmöglich machten. Bereits im März 2022 hatte die »Nowaja Gaseta« ihr Erscheinen vorläufig eingestellt, um einem drohenden Publikationsverbot zu entgehen. Russische Behörden entzogen der Zeitung im September 2022 die Drucklizenz und im selben Monat die Webseitenlizenz. Im April 2026 wurden ihre Redaktionsräume durchsucht, und im September 2026 stuften die russischen Behörden das Medium sowie seinen Chefredakteur als „ausländischen Agenten“ ein. Diese Einstufung als „ausländischer Agent“ bringt hohe bürokratische Hürden mit sich, soll diffamierend wirken und erschwert die Finanzierung durch den Entzug von Werbekunden. Zudem müssen betroffene Medien alle Inhalte mit einem speziellen Haftungsausschluss versehen.

Die »Nowaja Gaseta«, 1993 von Dmitri Muratow und Kollegen gegründet, die mit Unterstützung von Michail Gorbatschow die ersten Computer finanzierten, galt als eines der wenigen verbliebenen unabhängigen Medien in Russland. Ihr Chefredakteur Dmitri Muratow erhielt 2021 für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit den Friedensnobelpreis. Die Zeitung zeichnete sich durch kritische und investigative Berichterstattung über russische Politik, soziale Angelegenheiten, die Kriege in Tschetschenien und Korruption aus. Tragischerweise wurden seit ihrer Gründung bis 2021 fünf Journalisten der »Nowaja Gaseta« ermordet, darunter Anna Politkowskaja im Jahr 2006, die über Tschetschenien berichtete.

Die erzwungene Einstellung der »Nowaja Gaseta« ist symptomatisch für die drastische Verschlechterung der Pressefreiheit in Russland. Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Februar 2022 wurde die bereits repressive Gesetzgebung gegen Medienschaffende massiv verschärft. Russland liegt in der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen im Jahr 2026 auf Platz 172 von 180 erfassten Ländern, der bisher schlechteste Wert. Militärzensur herrscht, und rund 1500 Journalisten haben das Land verlassen, viele arbeiten nun im Exil, etwa bei der „Nowaja Gaseta. Europa“, die von Riga aus operiert.

Diese Entwicklung verdeutlicht, dass die russischen Behörden gezielt versuchen, jegliche kritische Berichterstattung im Keim zu ersticken. Die Betreiber der »Nowaja Gaseta« erklärten: „Man hat uns getötet“. Für die verbliebenen Journalistinnen und Journalisten im Land steigt das Risiko einer Inhaftierung oder Kriminalisierung durch ausgeweitete Gesetze zu „Terrorismus“ und „Extremismus“ erheblich an. Das Schweigen kritischer Stimmen in Russland ist ein Verlust für die Informationsfreiheit weltweit.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

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