Hamburg Update

Debatte um Tierversuche in Hamburg

today5. Oktober 2026 6

Hintergrund
share close

Die Debatte um Tierversuche ist in Hamburg ein weiterhin viel diskutiertes Thema. Im Jahr 2024 wurden in der Hansestadt insgesamt 81.488 Tiere für wissenschaftliche Zwecke erfasst. Diese Zahl beinhaltet auch 9.753 Tiere, die nicht in Tierversuchen eingesetzt, sondern ausschließlich zur Gewinnung von Organen oder Geweben getötet wurden, was rechtlich nicht als Tierversuch gilt. Eine aktuelle Betrachtung beleuchtet die Notwendigkeit von Tierversuchen und welche Forschungsmethoden bereits ohne sie auskommen.

In der medizinischen und biologischen Grundlagenforschung werden Tierversuche von vielen Wissenschaftlern noch immer als unverzichtbar angesehen. Sie sind entscheidend für das Verständnis komplexer Vorgänge im gesamten Organismus, beispielsweise bei der Erforschung von Krankheiten des Nervensystems, des Immunsystems, Stoffwechselerkrankungen und Krebs. Auch bei der Entwicklung neuer Therapien und in der Arzneimittelzulassung sind Tierversuche oftmals ein wichtiger Bestandteil und teils sogar rechtlich vorgeschrieben. Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und der Universität Hamburg betonen die zentrale Rolle von Tierversuchen für die Entwicklung neuer Therapieverfahren. Ein vollständiger Verzicht sei zum aktuellen Zeitpunkt kaum denkbar, da noch keine ausreichenden Alternativen vorhanden seien und dies weitreichende Auswirkungen auf die zukünftige medizinische Versorgung hätte.

Gleichzeitig engagiert sich Hamburg aktiv für die Förderung und Entwicklung von Alternativmethoden. Das UKE hat eine 3R-Professur zur Erforschung von Ersatzmethoden eingerichtet und es entsteht ein 3R-Center, das interdisziplinäre Forschung nach den Prinzipien Replace, Reduce, Refine (Ersetzen, Reduzieren, Verbessern) vorantreibt. Zudem vergibt die Stadt Hamburg, in Zusammenarbeit mit der Behörde für Justiz und Verbraucherschutz sowie der Behörde für Wissenschaft, Forschung, Gleichstellung und Bezirke, regelmäßig einen Forschungspreis für Alternativmethoden zum Tierversuch. Im Jahr 2024 wurde unter anderem ein Reporterhautmodell des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB und Beiersdorf ausgezeichnet, das toxische Wirkungen chemischer Substanzen tierversuchsfrei untersucht.

Moderne Ansätze wie menschliche Zellkulturen, Organoide und Organ-on-a-Chip-Systeme können Tierversuche teilweise ersetzen, wenngleich sie noch nicht alle Forschungsfragen beantworten können. Im Bereich der Kosmetika sind Tierversuche in der EU bereits seit 2013 verboten. Das UKE fördert aktuell drei innovative Forschungsprojekte mit insgesamt rund 250.000 Euro, darunter die Entwicklung von Nanobodies ohne vorherige Immunisierung von Tieren. Diese Fortschritte zeigen das Bestreben, das Tierleid zu minimieren und die Wissenschaft ethisch vertretbarer zu gestalten.

Die Situation in Hamburg spiegelt die bundesweite Diskussion wider. Während die Zahl der Versuchstiere in Deutschland insgesamt einen sinkenden Trend aufweist, stieg in Hamburg im Jahr 2024 die Zahl der getöteten „überschüssigen Versuchstiere“ um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahr an. Dabei handelte es sich um 14.775 Mäuse, Ratten, Goldhamster und andere Nager, die für Versuche vorgesehen, aber nicht eingesetzt und dann getötet wurden. Diese Zahlen und die ethischen Fragen rund um Tierversuche werden in der Öffentlichkeit und auf Veranstaltungen wie dem „Tag des Versuchstiers“ an der Universität Hamburg intensiv diskutiert, um Transparenz zu schaffen und das Verständnis für die tierexperimentelle Forschung zu erhöhen. Radio Reeperbahn wird diese Entwicklungen auch weiterhin aufmerksam verfolgen.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it