Hamburg Update

Massive Kostensteigerung bei Hamburger Bauprojekt

today24. September 2026

Hintergrund
share close

Das Recyclingzentrum in Hamburg-Bahrenfeld hat sich zu einem nationalen Beispiel für Fehlplanung und explodierende Kosten entwickelt. Die aktuellen Ausgaben für das Projekt, das ursprünglich mit einer wesentlich geringeren Summe kalkuliert wurde, sind auf mittlerweile 780 Millionen Euro angestiegen. Dies entspricht einer Kostensteigerung von 330 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung und sorgt für erheblichen Unmut in der Hansestadt.

Das sogenannte Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) an der Schnackenburgallee in Bahrenfeld, nahe des Altonaer Volksparks, soll künftig Rest- und Gewerbemüll aus Hamburg und dem Umland sortieren. Ziel ist es, Wertstoffe für das Recycling zu gewinnen und aus dem verbleibenden Abfall Strom und Fernwärme zu erzeugen. Das Projekt ist zudem als ein wichtiger Baustein für Hamburgs Wärmewende konzipiert und sollte ursprünglich das Kohlekraftwerk Wedel ersetzen, dessen Abschaltung für 2027 vorgesehen ist.

Die anfängliche Kostenschätzung für die neue Müllverwertungsanlage lag bei rund 234 Millionen Euro. Seit dem Baubeginn im April 2023 haben sich die Ausgaben jedoch dramatisch erhöht, von zunächst 234 Millionen Euro über 534 Millionen Euro bis hin zu den nun prognostizierten 780 Millionen Euro. Parallel dazu verzögert sich die Fertigstellung erheblich: Statt der ursprünglich geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2025 wird das ZRE voraussichtlich frühestens 2029 oder 2030 ans Netz gehen – eine Verspätung von drei bis vier Jahren, wobei eine Teilinbetriebnahme technisch nicht möglich ist. Als Gründe für die Kostenexplosion und die Verzögerungen werden Mängel in der Projektplanung und -überwachung sowie im Risikomanagement angeführt. Es gab unvollständig kalkulierte Personal- und Projektkosten, zusätzliche Bauarbeiten, Mengenerhöhungen, Bauzeitverzögerungen und weitere Baustellenkosten.

Besonders brisant ist die Informationspolitik rund um das Projekt. Wirtschaftsprüfer von Deloitte stellten fest, dass der Aufsichtsrat der Stadtreinigung, dem auch Umweltsenatorin Katharina Fegebank (Grüne) vorsteht, nicht „angemessen und zeitnah“ über die Kostensteigerungen und Verzögerungen unterrichtet wurde. Senatorin Fegebank sprach von einem „klaren Vertrauensbruch“ und erklärte, dass dem Aufsichtsrat trotz wiederholter Nachfragen kein realistisches Bild der Lage gezeichnet worden sei. Diese Enthüllungen führten zu einer politischen Debatte, in der die FDP den Ersten Bürgermeister Peter Tschentscher aufforderte, das „Müll-Debakel“ zur Chefsache zu machen. Die Umweltsenatorin kündigte rechtliche Schritte gegen die frühere Geschäftsführung an und stellte eine grundlegende Neubewertung der Besetzung städtischer Aufsichtsräte in Aussicht.

Die massiven Kostensteigerungen und die erheblichen Verzögerungen haben weitreichende Konsequenzen. Die zusätzlichen Kosten werden voraussichtlich von den Hamburger Bürgern, insbesondere über höhere Müllgebühren, getragen werden müssen. Auch Auswirkungen auf den Fernwärmepreis werden nicht ausgeschlossen. Obwohl die Umweltbehörde betont, dass die Wärmewende und die Fernwärmeversorgung der Stadt nicht gefährdet seien, beeinträchtigt die späte Fertigstellung des ZRE die Klimaziele Hamburgs. Das Projekt wird in seiner Dimension bereits mit der Elbphilharmonie verglichen, wobei es den Kultstatus des Konzerthauses wohl nie erreichen wird.

Hinweis: Das Bild zu diesem Beitrag kann KI-generiert sein.

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it