Hamburg Update

IG Metall warnt vor zu starker Abhängigkeit im Schiffbau

today27. August 2026

Hintergrund
share close

Der Schiffbau in Norddeutschland erlebt einen kräftigen Aufschwung und verzeichnet die höchsten Beschäftigungszahlen seit sechs Jahren. Dies geht aus der aktuellen Schiffbauumfrage der IG Metall Küste hervor, die seit 1991 jährlich Betriebsräte norddeutscher Werften befragt. Trotz dieser positiven Entwicklung äußert die Gewerkschaft jedoch Bedenken hinsichtlich einer zu starken Abhängigkeit vom Marineschiffbau und fordert eine breitere Aufstellung der Produktion, um langfristige Stabilität zu sichern.

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Beschäftigten in den befragten 41 Werften in Norddeutschland um mehr als 2.000 auf fast 17.200 Mitarbeiter. Besonders Schleswig-Holstein führt mit über 6.500 Beschäftigten, gefolgt von Niedersachsen, Bremen, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Große Unternehmensgruppen wie TKMS Kiel mit über 5.400, die Meyer-Gruppe mit über 4.100 und die Lürssen-Gruppe mit über 1.900 Mitarbeitern tragen maßgeblich zu diesem Wachstum bei. Auch in den kommenden zwölf Monaten erwarten 56 Prozent der Unternehmen einen weiteren Anstieg der Beschäftigtenzahlen um insgesamt mehr als 1.700 Arbeitsplätze. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, mit einer prognostizierten Auslastung von 90 Prozent für 2026, 94 Prozent für 2027 und sogar 100 Prozent für 2028. Mehr als die Hälfte der Werften arbeitet bereits heute mit voller Kapazität.

Dieser Boom wird jedoch maßgeblich vom Marineschiffbau getragen. Mehr als die Hälfte des Branchenumsatzes stammt aktuell aus dem militärischen Bereich. Bezirksleiter Daniel Friedrich von der IG Metall Küste warnt daher davor, die maritime Industrie einseitig auszurichten. Er betont die Notwendigkeit, auch langfristige Perspektiven für den zivilen Schiffbau, die Offshore-Energiebranche und klimafreundliche maritime Technologien zu schaffen. Laut der Umfrage entfallen durchschnittlich 54 Prozent der Umsätze auf militärische Aufträge, 43 Prozent auf zivile Schiffbauprojekte und drei Prozent auf Offshore-Plattformen.

Deutschland hat eine lange Tradition im Spezialschiffbau, darunter Passagierschiffe und Yachten. Potenzial für eine Diversifizierung sehen Experten in Nischenmärkten wie Forschungs-, Offshore-Plattformen, Spezialantrieben oder emissionsfreien Fähren. Die Meyer Werft beispielsweise hat einen beträchtlichen Auftragsbestand für Kreuzfahrtschiffe und Spezialschiffe. Deutsche Werften sind zudem Innovationsführer bei grünen Technologien, wie dem Bau von LNG-betriebenen Kreuzfahrtschiffen. Allerdings steht die Branche im zivilen Sektor unter starkem Wettbewerbsdruck von asiatischen Werften, die oft subventionierte Schiffe zu niedrigeren Preisen anbieten.

Um die Zukunftsfähigkeit der norddeutschen Werften langfristig zu sichern, fordert die IG Metall Küste neben einer breiteren strategischen Ausrichtung auch die Gewinnung ausreichender Fachkräfte und den weiteren Ausbau der Ausbildung. Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen der Branche. Eine vorausschauende Industriepolitik, die sowohl den militärischen als auch den zivilen Schiffbau gleichermaßen stärkt und das maritime Know-how im Land hält, wird als entscheidend für die Resilienz und den Erfolg des norddeutschen Schiffbaus erachtet.

Symbolbild – Foto: Richard REVEL / Pexels

Hinweis: Bei der Bearbeitung dieses Beitrags kann Künstliche Intelligenz zum Einsatz gekommen sein.

Geschrieben von: Redaktion

Rate it

Beitrags-Kommentare (0)

Hinterlassen Sie eine Antwort

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet